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Gesundheitlich...

... geht es auf diesem Blog weiter! Alles was ich zuvor über die Schilddrüse verfaßt habe, hat mich genau dorthin gebracht. Und damit sich das nicht alles häuft und hier zu Verwirrung führt, trenne ich die beiden Blogs, auch wenn das eine ebenso ich bin wie dieses hier. :)

Eure Soda.







Samstag, 21. April 2012

Lemming



Psychothriller
Frankreich 2005
Regie: Dominik Moll
Darsteller: André Dussollier, Charlotte Rampling, Laurent Lucas, Charlotte Gainsbourg


Mit etlichen Stunden Verspätung tauchen Richard und Alice Pollock doch noch bei dem jungen Ehepaar Bénédicte und Alain Getty auf. Alain, der bei Richard als Ingenieur arbeitet, ist peinlich berührt, als Alice am Esstisch eine Szene beginnt.
Andernstags finden er und seine Frau im Abfluss der Küchenspüle einen Lemming. Bénédicte bringt das Tier zum Tierarzt, der ihr mitteilt, sein Neffe arbeite in einem Forschungslabor und beschäftige sich mit Nagetieren. Dieser solle sie kontaktieren, um näheres über den außergewöhnlichen Fund herauszufinden.

Nachdem Alice Alain in der Firma Avancen macht, taucht sie schließlich bei den Gettys zu Hause auf, wo sie sich kurze Zeit später erschießt. Alain gerät in einen Strudel aus Hass, Eifersucht und weiß letztendlich nicht mehr, was Realität und was Traum ist.

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SPOILER!

Mit der eigenen französischen Subtilität kommt hier das Grauen auf leisen Sohlen: nachdem Bénédicte vom Neffen des Tierarztes eröffnet bekommt, das es ein Irrglaube ist, das Lemminge sich in Abgründe stürzen, um Selbstmord zu begehen, zieht sie eine schicksalhafte Linie zwischen dem Fund des Lemmings und dem Selbstmord von Alice. Sie scheint sich bereitwillig auf das subtile Spiel zwischen Alice und dem gefühlskalten Richard einzulassen - Alice allgegenwärtig durch ihren Hass und ihren Freitod, spukt sie auch in den Köpfen des jungen Paares weiter herum.

Alain - hervorragend verkörpert von Laurant Lucas, der hier intensiv spielt - befindet sich schon nach kurzer Zeit in einer zwanghaften Obsession zu Alice, die er als unverstandene, ungeliebte Ehefrau sieht, die von ihrem herumhurenden und scheinbar freundlichem, jedoch sehr distanziertem Ehemann in den Tod getrieben wurde. Er möchte seinen Chef zur Rede stellen - dies bietet sich auf der langen Autofahrt zu einer Tagung an, doch Richard dreht den Spieß um und bedrängt Alain zunehmend mit seinen Fragen und seiner extrovertierten Art. Alain hingegen hegt nur den Wunsch, bei seiner Frau Bénédicte zu sein, die er vor dem abgebrühten Mann beschützen möchte. Zu spät - vermeintlich zu spät - erkennt er, das er selber Opfer einer Intrige geworden ist. So verstrickt er sich selber in kindische Situationen, ehe er erkennt, das alles nur in seinem Kopf existiert.

Richard - dargestellt von dem großartigen André Dussollier - ist freundlich und warmherzig, besorgt um das Wohlergehen des jungen Paares, vornehmlich um das Wohl und das Vorankommen seines jugen Angestellten. Seine tyrannische und über alle Maßen eifersüchtige Ehefrau macht ihm schon lange das (Ehe-)Leben zur Hölle, und so hält sich seine Trauer über den Selbstmord seiner Frau sehr in Grenzen. Keine Gefühlsregung läßt er zu, außer dem Dank an Alain, der ihn telefonisch benachrichtigt, nachdem das Unglück geschehen ist. Doch hinter der kameradschaftlichen Fassade verbirgt sich letztendlich tatsächlich der gefühlskalte und egoistische Mensch, den er so leger zu übertünchen versucht.

Die sehr subtile und stellenweise schwer zu folgende Geschichte, die zu Beginn als Drama anmutet und sich durch viele kleine Zweideutigkeiten nur langsam zu einem fließenden Psychothriller entwickelt, kommt mit kühlen und ruhigen Bildern daher: lange, stille Aufnahmen zeichnen diesen Film aus, und ebenso die Abwesenheit der Filmmusik, die nicht mit albekannten Tönen - ála Hollywood - schon vorausahnen läßt, das hier "gleich etwas passiert". Dem Zuschauer bleibt viel Spielraum für seine eigene Fantasie - wie hat es sich wirklich zugetragen, was ist nur Einbildung? Dennoch ergibt der Film in sich einen dramatischen und feinsinnigen Thriller, der mit seinem Ende dem Zuschauer die komplette Auflösung des Rätsels ermöglicht.

Auch wenn sie hier weniger als die anderen Protagonisten zu sehen ist, so dreht sich in dieser Geschichte alles um Alice Pollack (von der grandiosen Charlotte Rampling in Perfektion und mit ihrer eigenen Kühlheit fantastisch dargestellt), die mit ihrem gleichgültig wirkenden Auftreten rasch im Mittelpunkt des Geschehens steht. Man kann nicht sagen, das sie stellvertretend für die Frauen steht, die von ihren Männern belogen und betrogen werden, doch sie stellt eine Frau dar, die durch die Machenschaften des Mannes innerlich gebrochen wurde und sich mit dem Besten, was sie zu bieten hat, wehrt: mit ihrem Hass. So durchzieht denn dieses Gefühl das gesamte Schauspiel und wirkt zunehmend wie ein unlösbarer Knoten, der sich um die Gefühle und Gedanken der anderen Beteiligten schlingt.

"Lemming" ist ein Fest für alle Filmfans, die nicht nur dem französischen Film anhängen, sondern gerne subtile und nervenzerreißende Spannung mögen. Für den Krimiliebhaber der durchschnittlichen Kost ist dieser Film allerdings weniger interessant, da er verschlungen und hintrgründig ein vermeintliches Familiendrama in einen Psychokrimi wandelt, der viel eigene Vorstellungskraft benötigt. Dieser Film ist nach dem Sehen noch lange nicht aus! ;)


1 Kommentar:

  1. Hallo Soda,
    vielen Dank für die hilfreiche Filmrezension, und besten Dank auch für deinen Kommentar.
    LG
    Wieczorama (◔‿◔) | Mein Fotoblog

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