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... geht es auf diesem Blog weiter! Alles was ich zuvor über die Schilddrüse verfaßt habe, hat mich genau dorthin gebracht. Und damit sich das nicht alles häuft und hier zu Verwirrung führt, trenne ich die beiden Blogs, auch wenn das eine ebenso ich bin wie dieses hier. :)

Eure Soda.







Montag, 23. Juli 2012

Wenn Guffman kommt


Wenn Guffman kommt

Komödie, USA 1996 (Pseudo-Doku)
Regie: Christopher Guest
Darsteller: Christopher Guest, Fred Willard , Catherine O'Hara , Eugene Levy, Matthew (Matt) Keeslar, Bob Balaban, Parker Posey



Guffman hat sich angekündigt! Und das im Provinznest Blaine/Missouri. Und noch dazu zum 150-jährigen Bestehen! Aus diesem Grund will Corky, der vom Broadway träumt, ein Musical über die Stadt für den berühmt-berüchtigten Kritiker aufführen. Seine Truppe besteht komplett aus Laien - und nicht nur das! Die Darsteller, der Komponist, einfach alle sind Einwohner des Ortes! Wow, das wird ein Ereignis!...

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Nein, gleich vorweg, es handelt sich nicht um einen Musical-Film! Eine rein fiktive Komödie, die bestimmt so ähnlich hier und dort schon mal stattgefunden haben könnte, und deshalb in ihrem pseudo-dokumentarischen Stil besonderns realistisch rüberkommt. Und vor allem: besonders witzig.

SPOILER!

Christopher Guest ist nicht nur der Regisseur dieses Filmes, er spielt auch die Rolle des Theater-Regisseurs Corky und vermittelt mit viel Charme, Witz und Ironie, wovon so manch ein Kleinstädter schon oft geträumt hat: vom Duft der großen Showbühne, von der Welt des großen Broadway, des unvergesslichen Ruhmes und des Glitzer und Glamour. Und dementsprechend aufgeregt und enthusiastisch ist Corky, als er erfährt, das der berühmte Kritiker Guffman zur 150-Jahr-Feier nach Blaine kommt. Wenn das kein Grund ist, ihm etwas ganz Besonderes zu bieten! So macht sich also Corky an ein Musical, das die Geschichte des Ortes historisch aufzeigt - mit einer lebensechten Besetzung, den Einwohnern Blains nämlich. Das die Laien-Darsteller erstmal üben, üben, üben - und singen lernen - müssen, steht dabei außer Frage und bietet in diesem Streifen viel Spielraum für Situationskomik und absurden Humor.

So herzig der Möchtegern-Broadway-Regisseur rüberkommt, so sympathisch ist auch die ürbige Garde der Schauspieler: der verschrobene, introvertierte Zahnarzt des Dorfes, der zu Beginn arge Probleme hat seinen mimischen Gefühlen Ausdruck zu verleihen; ein junger Mechaniker, der sich nicht entscheiden kann, ob er oder ob er nicht im Musical mitmachen möchte; ein Künstler-Ehepaar, das mit ihrer Freizügigkeit die kleine Truppe einweist und zumal auch schon ganz schön transzendental erscheint...

So laienhaft die Rollen dem Zuschauer erscheinen mögen, umso mehr erfreut man sich an ihrem Lernen, ihre künstlerische Ader auszuleben. Wer hat sich nicht mal gewünscht, in die Rolle eines anderen schlüpfen zu können? Dieser Traum wird für viele wahr - auch wenn sie bisher nicht wußten, das sie ihn hegten. Mit der Zeit wächst die Truppe zu einer eingeschworenen Gemeinde zusammen, die nur noch ein Ziel vor Augen hat: Guffman eine Darstellung der Extraklasse zu präsentieren! Als dann Corky - da ihm der Stadtrat die geforderten 100.000,- $ nicht bewilligen will, die er für die Realisierung seines Musicals benötigt - das Handtuch werfen will, gehen die mittlerweile fast zu Künstlern avancierten Normalbürger auf die Barrikaden, denn ihnen ist eines klar: wenn schon ein gesungenes Bühnenstück, dann gibt es nur einen einzigen, der dieses zum Erfolg führen kann - und das ist Corky.

Die Story ist schlicht, aber sehr warmherzig umgesetzt. So lebensecht die Darsteller, so realitätsnah ihre Patzer und Unbeholfenheit, so wahnsinnig echt die schrägen Töne, so lebendig ist das ganze Szenario. Fast jeder kennt einen "Corky": einen Menschen, der von seiner Kunst absolut überzeugt ist und seinen nicht vorhandenen Ruhm nur der Tatsache zuschreibt, das andere ihm Steine in den Weg rollen. Die Erkenntnis, die Corky gegen Ende des Filmes dann erhellt, ist umso ehrlicher und bestätigt den Zuschauer noch in seiner Symathie für diesen Charakter.

Der Doku-Stil dieses Machwerkes tut dem Spaß keinen Abbruch, im Gegenteil: sind doch die Kommentare in den "Interviews" mit den Darstellern des Musicals erfrischend komisch und wie aus dem Leben gegriffen. Zu lachen gibt es durch die Bank weg, und so ist dieser wenig bekannte Streifen ein Feuerwek an sprühender Ironie und schrulligem Humor. Ein rundum gelungener Wohlfühl-Film, den man sich nicht entgehen lassen darf! Leichte Unterhaltung der besonderen Art - vor allem für alle, die ein Herz für schräge Typen haben! Fiebert der Zuschauer letztendlich doch dem großen Abend der Uraufführung und dem Kritiker-Besuch ebenso entgegen wie die Schauspielertruppe selber, so reißt dieser cineastische Leckerbissen jeden vom Hocker!

Herrlich herzig und wunderbar verschroben! Ganz große Klasse, dieser kleine Film!


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