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Gesundheitlich...

... geht es auf diesem Blog weiter! Alles was ich zuvor über die Schilddrüse verfaßt habe, hat mich genau dorthin gebracht. Und damit sich das nicht alles häuft und hier zu Verwirrung führt, trenne ich die beiden Blogs, auch wenn das eine ebenso ich bin wie dieses hier. :)

Eure Soda.







Montag, 30. Juli 2012

You don't know Jack - Ein Leben für den Tod


Drama/Biografie USA 2010
Regie: Barry Levinson
Darsteller: Al Pacino, John Goodman, Susan Sarandon, Danny Huston, Brenda Vaccano


Jack Kevorkian ist Pathologe und setzt sich in den 90er Jahren aktiv für die Sterbehilfe ein. So unterstützt und berät er seine Patienten, wenn sie ihr Leben beenden wollen - und zieht nicht nur die Missgunst der Bevölkerung und militanter religiöser Gruppen auf sich, sondern muß sich '99 auch vor Gericht wegen Totschlags verantworten...

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Hintergrund:
Jack Kevorkian (*1928, † 2011) half nach eigener Angabe ca. 130 Menschen bei ihrer Selbsttötung. Er erfand die sogenannte "Selbstmord-Maschine", bei der zeitversetzt durch das Auslösen eines an einen Schlauch angebrachten Mechanismus zuerst ein Betäubungsmittel (Thiopental) und dann Kaliumchlorid den Patienten "einschlafen" ließen. Nach den ersten beiden Fällen der Sterbehilfe wurde ihm die Approbation entzogen. Kevorkian nahm alle Befragungen seiner Patienten auf Video auf, um beurteilen zu können, ob hier Sterbehilfe wirklich angebracht sei.

1998 erlaubte Kevorkian einem Fernsehsender die Ausstrahlung eines seiner Videos, auf dem zu sehen ist, wie er einem an ALS Erkrankten aktive Sterbehilfe leistete, und wurde daraufhin vom Gericht zu 10-25 Jahren Haft wegen Totschlages verurteilt. 2007 wurde seinem Gesuch auf frühzeitige Haftentlassung stattgegeben, da er an Hepatitis C erkrankt war.

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Altmeister Levinson setzt mit dieser Biografie des aufrichtigen, realitätsbehafteten Querdenkers Jack Kevorkian ein cineastisches Denkmal.

SPOILER!

Der Film wirkt nach - schildert er ein bis heute noch tabuisiertes Thema in kühlen, abgeklärten Bildern, fernab von Rührseligkeit oder Melodramatik. Das umstrittene Tun des Pathologen zieht sich als roter Faden durch den mehr als zweistündigen Film. Einspielungen von Videoaufnahmen, die die Interviews mit den "Patienten" zeigen, bringen eine äußerst realistische Note in das Geschehen. Kevorkian, der hier schon mehr als Sechzig Lenze zählt, wird nicht als leiser, grauer Mann dargestellt, der heimlich seiner Überzeugung nachgeht. Laut und aufbrausend, stimmgewaltig, kommt die Figur rüber.

Al Pacino verkörpert den Idealisten und Humanisten mit tiefgehender Intensität und überzeugender Passion. Grandios seine Mimik und Gestik, ausladend und energisch, und fesselt auch durch seinen stechenden Blick. Über Pacino kann man nicht viel sagen: der Großmeister der Leinwand hat sich hier die Ehre gegeben in gewohnt bestechender Weise.

Neal Nicol, Jacks Freund und Helfer, wird von John Goodman gespielt. Er verleiht der Zerrissenheit seiner Rolle viel Ausdruck, nicht durch heftige Gefühlsausbrüche, sondern vielmehr durch subtile Intensität. Die Methoden, die sie anwenden müssen, um Todkranken helfen zu können, zehren an seinen Nerven. Die Machtlosigkeit, die Ohnmacht geradezu, spricht aus seiner hervorragend interpretierten Mimik.

Susan Sarandon, hier als die Frauen- und Bürgerrechtlerin Janet Good zu sehen, verleiht mit viel Feingefühlt ihrer Rolle große Ausdruckskraft. Mit viel Energie und sanfter Beharrlichkeit verkörpert Sarandon überzeugend die letztendlich todkranke Frau, die ebenfalls nicht langsam vor sich hinsiechen will, wie sie es bei vielen Menschen schon gesehen hat. Wo Jack oftmals die mitfühlenden Worte fehlen, greift sie ihm helfend unter die Arme, um den Sterbenden Trost und Kraft zu spenden.

Kevorkian, introvertiert und abgeschottet, fehlt die sensible Feinfühligkeit um den Patienten seine Gefühle zu vermitteln, ihnen mitzuteilen, das er ihren Schmerz verstehen kann. Manchmal mutet der Humanist grob und hilflos an, hatte er selber sehen müssen, wie qualvoll seine Mutter einst zu leiden hatte. Und doch gibt es kaum stille Momente, denn Kevorkian hat immer etwas zu sagen, kämpft unentwegt weiter. Vergleiche mit den Nazimethoden der Euthanasie an Kranken und Behinderten, ebenso wie dem ihm angehafteten Namen "Dr. Tod" stellt er sich aufrecht und guten Gewissens entgegen. Eines wird durch die geradlinig und äußerst flotte Inszenierung deutlich: dieser Mensch will dort helfen, wo andere ihre Hilfe versagen.

Der Film bezieht hier weder Stellung für noch gegen das Tun Jack Kevorkians. Fast erscheint es dem Zuschauer dann und wann als eine Tatsachenschilderung - letztendlich hat Levinson hier nichts anderes inszeniert. Streng hält er sich an das Schaffen und Wirken des Pathologen, beschönigt nichts, verklärt nichts. Hier gibt es keinen falschen Pathos oder Moralpredigten. Und gerade deshalb geht der Film tief unter die Haut: die Videoaufnahmen mit den Interviews der Todkranken sind so ehrlich und offen, das einem die Traurigkeit im Halse stecken bleibt.

Hier wird ein Thema, das heute aktueller ist als je zuvor, offen angesprochen, ohne Scheu vor Kritik oder Ablehnung. Dieser Film ist - filmisch wie auch thematisch - mehr als sehenswert, denn er regt zum Nachdenken über etwas an, das vielen unangenehm ist, über das man lieber hinwegsehen möchte. Hier bleiben die Fragen im Raum stehen, Fragen über die Würde des Menschen, über Gerechtigkeit und auch über die Macht der Pharmakonzerne.

Kontrovers! Angucken!

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