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Samstag, 9. Juni 2012

die Sache mit den Tapes

Eben kam ich - endlich endlich nach langer Zeit! - in den Genuss, mir "High Fidelity" anzusehen. Die kongeniale Romanverfilmung von Stephen Frears nach Nick Hornby (dessen Geschichten u.a. auch mit "About a Boy" & "Fever Pitch" aufgegriffen wurden) ist einfach grandios! Ich will mich über den Film an sich auch gar net auslassen... ;) Einfach genial, den muss man gesehen haben!^^

Die Einleitung macht an sich schon klar, worum es geht:


"Hab ich damals Pop gehört, weil ich mies drauf war? 
Oder war ich mies drauf, weil ich Pop gehört hab?"

Richtig! Ein frustrierter, gerade von seiner Freundin verlassener Mittdreißiger, der einen Indie-Plattenladen führt, bekommt eine Sinnkrise. So ersinnt er den wahnsinnigen Plan, die Top-5-Ex-Feundinnen aufzusuchen, die ihn in seinem Leben verlassen haben.

Kurz und schmerzvoll: das ist eine Geschichte aus dem Leben. Ich habe so viel von mir in diesem Typen (gespielt von dem schnuggeligen John Cusack) wiedergefunden, das es schon fast erschreckend ist. Hat der fantastische Nick Hornby da eine Teilstrecke meines Gefühls- und Gedankenlebens aufgezeichnet? Zufall? Schicksal? Whatever - amüsant, witzig und einfach zum lieben komisch kommt diese Story daher, mit so viel Herz und Ehrlichkeit. Das ist, als hätte ich in einen Spiegel geschaut - mit dem Unterschied, das mich dann natürlich nicht John Cusack angesehen hätte. ;)

Allein wie Rob (der lakonische Protagonist) immer wieder zur Sprache bringt, was man so alles beachten sollte wenn man ein Tape zusammen stellt. Ein Tape... da fühle ich mich in die 80er (seufz) zurückversetzt. Bis vor einigen Jahren - so ungefähr 10 - war mir gar nicht klar, das ich ein "Kind der 80er" bin. Naja, schon irgendwie, aber eben bewußt war es mir nicht, somit auch nicht, wie sehr mir diese Musik doch anhaftet und lieb und teuer ist.
Ein Tape zusammenstellen, das war ein Akt der Leidenschaft, der Hingabe, der völligen Selbstauflösung und der Einkehr in eine unbekannte Welt. Man ergründete dabei seine eigenen Abgründe, sah sich in Ecken seiner Selbst um, von denen man gar nicht wußte, das sie einem innewohnten. Klar gab es da eine Menge Dinge zu beachten:
1. für wen ist das Tape: einen geliebten Menschen, eine neue Flamme, jemand den man beeindrucken will...;
2. man sagt dem Anderen etwas mit den Worten eines Fremden (=des Musikers)*;
3. was genau will man mit dem Tape ausdrücken?;
4. wie weit will man gehen (sich bis zur Selbstaufgabe aufopfern und dem Anderen vermitteln, das man wirklich alles, eingeschlossen die A****kriecherei und das über-den-Haufen-Werfen der eigenen Prinzipien, in Kauf nehmen würde, nur um beachtet oder für interessant befunden zu werden?)

Wie ihr selber wißt - jedenfalls die 80er Generation ;) - oder erahnen könnt, hat solch ein Tape wirklich viel, viel Zeit in Anspruch genommen und eine Menge Investition an Herzblut, Aufopferung und grundfester Ehrlichkeit gefordert. Immer getrieben von dem Gefühl der Perfektion, oft von Selbstzweifeln übermannt: wie kommt der Übergang rüber?; ist es wirklich das, was ich demjenigen sagen will?; kommt nicht gleich zu Beginn der Hammer, und endet dann in gähnender Langeweile bzw. ruft striktes Desinteresse in Form von nicht-zu- oder auch hinhören hervor?; mache ich klar, das ich die betreffende Person auch wirklich liebe und mir wünsche, das ich ebenso geliebt werde?; mache ich aber auch klar, das ich nicht leicht zu haben bin, nur um dann letztendlich wieder als seelischer Mülleimer zu enden?....
Die Titelauswahl war entscheidend. Damit mußte ein klares Statement vermittelt werden, am besten schon nach den ersten 3-4 Titeln. Dennoch durfte es nie langweilig werden, allerdings auch nicht runterziehen oder gar - und das wäre ganz schrecklich! - schlechte Laune vermitteln oder gar Duckmäuserigkeit.

Tapes über Tapes habe ich zusammengestellt. Tapes über Tapes... viele habe ich im End doch für mich behalten, weil ich mich nicht traute, sie der Person zu überreichen, für die es gedacht war. Einige habe ich abgegeben - naja, mit dem Ergebnis, das mich die Person rein gar nicht verstanden hat (sei es aufgrund mangelnden Musikinteresses oder nicht bzw. nur sehr schlecht vorhandener Englisch-Kenntnisse, oder auch aufgrund fehlenden Interesses für mein Gefühlsleben)... Aus reinem Selbsthass (damals, Leute, damals!) habe ich mich dann selber gegeißelt, indem ich mir eben diese miss- und unverstandenen Tapes wieder und wieder angehört habe, immer im Zweifel darüber, welches der Musikstücke denn nun den Ausschlag dafür gegeben hat, das es bei der "anderen Person nicht geklappt hat".

Mir bleibt nur noch ein Zitat aus dem Film (den ihr euch unbedingt, unter allen Umständen!, mal ansehen solltet - vorausgesetzt natürlich das ihr auf alltägliche Typen steht, die Musik vergöttern und den Sinn des Lebens so hautnah bei den Wurzeln packen, das sie es selber nicht merken & das ihr nicht davor zurückschreckt, mit dem Leben konfrontiert zu werden, wie wir alle es kennen: mit all seinen Tiefen und noch tieferen Tiefen):

"Selbstmord ist das - 
auf winzig kleiner Flamme!"


In diesem Sinne! 







*Anmerkung: sicher wurde das auch in dem Film erwähnt, dennoch kann ich an dieser Stelle versichern, das ich dem zustimme, da ich schon immer das selbe darüber gedacht habe, und dies somit nicht als meine Idee ausgebe, allerdings auch nicht behaupten will, das dieser Geistesblitz von Mr. Hornby erdacht wurde; das ist einfach eine Tatsache, unumstößlich, da kann man von "erfunden" oder "entdeckt" nicht sprechen ;)



Kommentare:

  1. :-D Genial geschrieben! Boah, Tapes... was hab ich hunderte und hunderte zusammen gestellt... meistens mit dem selben Ergebnis wie bei dir: die Leut habens ned verstanden, was ich damit ausdrücken wollte - oder eher: ihnen damit sagen wollte.

    Aber ein paar von diesen Tapes existieren noch. Einige hat meine Schwester Bruni, die bewahrt sie aus nostalgischen Gründen auf. Ein paar von denen kann man tatsächlich noch hören. Auch wenn ich oft ned mehr weiss, was ich damit sagen wollte. ;-)

    Und der Film: joa, der ist geil! Den darf sich ned entgehen lassen! Frevel ;)

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    1. Also ich wußte hinterher noch immer, was ich damit sagen wollte. Ich hab sogar mal ein Tape für meine Mutter zusammen gestellt, nachdem ich sie nach 15 Jahren zum ersten Mal wieder gesehen hatte. Aber das war so gar net ihre Musik... ei, wie konnt ich denn wissen das es Leut gibt, die Queen und Genesis und sowas net kennen? ;) Und das die einzige Musik bei denen daheim mal ein-zwei Stunden an Weihnachten ein Schlagersender war, bzw. alle paar Wochen mal in der Küche für ne Stunde die Schlagermusik im Radio eingeschaltet wurde... Im Nachhinein war dann logisch, das sie mit Pink Floyd und Konsorten völlig überfordert war, zudem auch dem Englischen nicht mächtig. Seufz. Hätt ich das vorher gewußt... in dieses Tape hab ich nochmal so richtig viel reingelegt, meine ganze Seele auf den Tisch geknallt... naja, was solls. Olle Kamellen ;)

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    2. Hast du des Tape noch? Was genau waren denn da für Songs drauf?

      Mein letztes Tape hab ich vor net mal sooo arg langer Zeit aufgenommen gehabt, so um 1995 rum. Damals wollt ich meinem kleinen Brüderlein den Kopp waschen, und weil er nimmer zugehört hat, was wir geschwätzt haben, hab ichs mo mit Musik probiert. Letztendlich wars dann wohl doch das Flehen unserer Muddi, des er zur Vernunft gekommen is, aber ich bild mir gern ein, des mein Tape irgendwie da mit eingespielt hat.

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