Herzlich Willkommen bei Soda.s Wor(l)d! :O)

Gesundheitlich...

... geht es auf diesem Blog weiter! Alles was ich zuvor über die Schilddrüse verfaßt habe, hat mich genau dorthin gebracht. Und damit sich das nicht alles häuft und hier zu Verwirrung führt, trenne ich die beiden Blogs, auch wenn das eine ebenso ich bin wie dieses hier. :)

Eure Soda.







Samstag, 9. Juni 2012

Othello



Drama nach William Shakespeare (1603)
USA/GB 1995
Regie: Oliver Parker
Darsteller: Laurence Fishburne, Kenneth Branagh, Irène Jacob, Nathaniel Parker, Michael Malony



16. Jahrhundert, Venedig: der Stadtrat soll ein Urteil über den Schwarzen Othello fällen, weil dieser sich mit Desdemona, der Tochter eines Adligen, heimlich vermählt haben soll. Vor dem Stadtrat, der abwägen soll, ob hier Hexerei am Werk sei, da sich ein unbeflecktes Mädchen wie Desdemona mit einem Mann wie Othello eingelassen hat, gestehen sowohl Othello als auch Desdemona ihre Liebe zueinander und das sie verlobt seien.
Der Stadtrat entsendet Othello Richtung Zypern, das von der türkischen Flotte angegriffen wird, um sich als Feldherr Ehre zu verdienen. Desdemona bitten darum, ihn begleiten zu dürfen.

Noch ehe die beiden Zypern erreichen, entspinnt Jago, der sich bei einer Beförderung übergangen fühlte, eine Intrige, um sich nicht nur an dem statt seiner mit einem höheren Rang bedachten Cassio, sondern auch an Othello zu rächen...

~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~

Oliver Parker schuf hier eine fast werkgetreue Verfilmung des tragischen Liebesdramas von William Shakespeare. Die Sprache des Filmes ist leicht modernisiert, wenngleich sie dennoch mit dem literarisch-verschachtelten Wortlaut mithalten kann.

Spoiler!

Zu Beginn wirkt die Geschichte ein wenig hölzern; schnell wird der Zuschauer in das Drama hineingeworfen, ohne die sonst gängie Variante des Erahnens um das Geschehen. Doch durch die flotte Inszenierung gelingt hier der Spagat zwischen der schwierigen Theater-Vorlage und einem Liebesdrama, das auch für das breitere Publikum zugänglich gemacht wurde.

Allen voran geht hier Kenneth Branagh, der schon in etlichen Shakespeare-Verfilmungen nicht nur als Darsteller, sondern vor allem als Regisseur von sich Reden machte. Jago, der intrigante Ränkeschmied, der seine Pläne nicht nur "laut denkt", sondern geradezu dem Zuschauer anzuvertrauen scheint, spricht er doch immer wieder genau in die Kamera, als sehe er einen an - ein kleiner Geniestreich und fast schon witzig, wären seine Gedankengänge nicht so grausam. Einmal mehr stellt Branagh hier unter Beweis, das es kaum einen besseren Mimen für den schweren shakespear'schen Stoff gibt als ihn. Er legt sein Herzblut in die Rolle des miesen, durchtriebenen Lumpen, der letztendlich das Glück und die Freude - wie auch die Leben - der Protagonisten auf dem Gewissen hat.

Laurence Fishburne, der den Othello mimt, zeigt hier wieder das er ein echter Charakterdarsteller ist, dem auch das Theaterspiel im Blut liegt. Mit Feinsinn und großer Leidenschaft gibt er sich dem Liebesdrama hin, voll tiefer Gefühle wie Wut, Eifersucht aber auch grenzenloser Trauer. Durch die gekonnt in Szene gesetze Verschwörung des Jago, der ihn nicht allein nur zu Fall bringen will, wächst der Gram in Othello, der sich im Glauben wägt, seine geliebte Desdemona gehe ihm fremd. Völlig blind für die Realität und die Tatsache, das es hierfür keine Beweise gibt - die er zunächst im ersten Gespräch mit Jago noch verlangt - verstrickt er sich in seine eigenen Hirngespinste. Das Drama ist vorprogrammiert, denn es kommt, wie es kommen muss: die Frauen leiden in diesem Stück unter den unbeherrschten Gefühlen der Männerwelt.

Von den schönen Schauplätzen Zyperns und Venedigs bekommt der Zuschauer hier nichts zu sehen, mutet das Drama doch eher wie ein Kammerspiel an. So bleibt jedoch ausgeschlossen, das die Dialoge aus den Augen verloren gehen, denn diese sind trotz der - wie erwähnt - leicht modernisierten Sprache teilweise recht verworren und nicht ganz leicht zu verfolgen. Doch Shakespeare-Kundigen dürfte es nicht allzu schwer fallen, hier der auf die Sprache ausgelegten Handlung zu folgen. Dennoch kommen auch hier die Ausstattung und die Gesten nicht zu kurz: mit hoher Intensität hauchen die Darsteller ihren Figuren frisches Leben ein, ohne das der Zuschauer zu sehr das Gefühl vermittelt bekommt, einem Kostümdrama zu folgen.


Mit Sicherheit gibt es bessere Shakespeare-Verfilmungen, doch diese geht richtig ans Herz, so voller Tragik ist sie! Für Shakespeare-Liebhaber ein Leckerbissen! Für Cineasten ein Augenschmaus! Für den Mainstream allerdings eine anstrengend nachzuvollziehende Liebestragödie.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen